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Donnerstag, 15. Juni 2006

Hamburger Morgenpost

Von johannesolaf, 08:45

Kurioser Akt der Solidarität

Prozess gegen Marek-Bande Protest vorm Landgericht

STEPHANIE LAMPRECHT

So sexy sind Demos vor dem Gerichtsgebäude eher selten: In Netzstrümpfen und Hotpants posieren rund 30 Damen auf den Stufen, fordern auf Plakaten die Freilassung ihrer "Männer". Gemeint sind zehn Zuhälter aus der Führungsetage der "Marek-Bande", gegen die gestern der Prozess eröffnet wurde. Die Angeklagten sollen Frauen ausgebeutet haben - unter den Augen der Polizei, wie die Verteidiger gestern erklärten.

"Liebe und Lust sind frei, wir brauchen kein Gericht dabei" steht auf einem Plakat. Und: "Stopt die Justiz, Freiheit für den Kiez". Mit Journalisten reden wollen die Damen allerdings nicht, kurz vor Prozessbeginn ziehen sie von dannen. Nur eine Hand voll tief dekolletierte Zuschauerinnen (Shirt-Aufschrift: "The Porn-Queen") sitzt im Gerichtssaal, wirft den Angeklagten durch die Trennscheibe Kusshändchen zu - Ritual bei jedem Rotlicht-Prozess. Die Männer, die aus der U-Haft vorgeführt werden, wirken dagegen fast bürgerlich. Nur vereinzelt mal eine Tätowierung, überwiegend sitzen sie brav im Sommerhemd zwischen ihren Anwälten. Davon hat jeder gleich zwei.

Nach dem Beruf gefragt, gibt Bandenchef Carsten Marek (46) "Klempner" zu Protokoll. Sein Stellvertreter Guido B. (48) erklärt, er sei "Speditionskaufmann". Einer ist "Fitnessfachmann", andere haben Schlosser oder Tischler gelernt. Einer ist vor zehn Monaten Vater geworden, die Mutter des Kinds war für ihn anschaffen. Sie alle sollen auf St. Pauli jahrelang Menschenhandel betrieben und Prostituierte ausgebeutet haben.

196 Frauen sollen sie von Mai 2000 bis November 2005 gezwungen haben, einen Großteil ihres Verdienstes abzuliefern. Allein für das Vorlesen der Frauennamen braucht die Staatsanwältin fast 90 Minuten.

Die Verteidiger beantragten anschließend die Einstellung des Verfahrens. Begründung: Der Staat habe seinen Strafanspruch verwirkt, weil die Polizei die Bordelle der Bande seit fünf Jahren regelmäßig kontrolliert habe und es nie etwas zu beanstanden gegeben habe. Und plötzlich habe die Staatsanwaltschaft die Gruppe zu einer "kriminellen Vereinigung" erklärt. Polizisten seien alle zwei Wochen zu "Kaffeebesuchen" mit Prostituierten und Bordellbetreibern vor Ort gewesen. Anwalt Ladislav Anisic: "Dieses widersprüchliche Verhalten des Staats wirkt so schwer, dass das Verfahren unzulässig ist."

Quelle: MOPO vom 15.06.2006 / SEITE 8-9

Jetzt, wo die Jungs ersteinmal weggesperrt sind, wird die Polizei wohl täglich zum Kaffeemeeting und WM gucken bei den Mädchen hocken.


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